Ausblick auf die neue „Kinderleichtathletik“ 2013

Nachdem die neue „Kinderleichtathletik“ letztes Jahr mit viel Werbung und Aufwand vom DLV durchgesetzt und zur alleinig zulässigen Veranstaltungsform für Kinder bis einschließlich der U12 ab 2014 erklärt worden ist, stellt sich die Frage, wie im „Übergangsjahr“ 2013 diese spielerische Veranstaltungsvariante in der Praxis ankommt.

Als Beispiel soll der BLV-Bezirk Oberbayern dienen, der mit der Landeshauptstadt München seit jeher der stärkste in Bayern ist. Die Ankündigung der Veranstaltungen ist meist schon bestätigt und durch Ausschreibungen manifestiert.

Ein Blick darauf zeigt schnell, dass sich gegenüber dem Vorjahr wenig geändert hat. Für die U10 und U12 wird weiterhin der traditionelle Dreikampf mit Einzelwertung angeboten, auch bei der Münchner Schülermeisterschaft. Die Veranstaltung nach der neuen „Kinderleichtathletik“ lassen sich an einer Hand abzählen und – was noch aussagekräftiger ist – neue Veranstaltungen sind kaum hinzugekommen.

Die wesentlichste Veränderung dürfte die Abschaffung der Einzelwertung – zugunsten einer Mannschaftswertung – im C-Cup (U12) sein, wobei die zunächst „angedrohte“ gänzliche Abschaffung schließlich doch nicht realisiert wurde. Ein Schelm, der denkt, dass die Punktzahlen für die Gesamtwertung doch weiterhin wie bei der bisherigen Einzelwertung ermittelt werden. Die besten Athleten werden dadurch genauso festgestellt, nur dass sie keine Pokale mehr für ihre Einzelleistung erhalten.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass die neue „Kinderleichtathletik“ trotz aller inszenierten Jubelveranstaltungen des DLV bisher nicht in der Praxis angekommen ist, und dies obwohl der BLV zu den Befürwortern bei der Abstimmung gehörte.

Man muss kein Prophet sein, um für 2014 nach dem Wegfall aller Übergangsregelungen weiterhin einen „passiven Widerstand“ bei den Veranstaltern vorauszusehen. Einige Funktionäre kündigen bereits „Umgehungsveranstaltungen“ an. Die Leidtragenden dürften letztlich aber doch die Kinder sein, da der spielerischen „Kinderleichtathletik“ wenig geneigte Veranstalter ihre Sportfeste ganz einfach ab der U14 beginnen lassen und die Jüngeren dann einfach weniger Wettkämpfe zur Auswahl haben.

 

2 Gedanken zu “Ausblick auf die neue „Kinderleichtathletik“ 2013

  1. Wir waren am Wochenende mit unseren Kindern zum ersten mal auf einem Wettkampftag der nach dem neuen Kinderkonzept des DLV durchgeführt wurde.
    Fazit:
    Wenn das tatsächlich überall durchgesetzt wird, wars das für uns mit der Leichtathletik.
    In 14 Tagen sind wir wieder bei einem Wttkampftag, dieser wird nach dem alten System ausgerichtet, allerdings laut dem Gastgebenden Verein zum letzten mal, im nächsten Jahr muss auch hier das neue System durchgeführt werden.

    Die Kinder fanden das neue System gar nicht gut, Teams die irgendwie zusammengewürfelt wurden weil nicht alle Teilnehmer genug Kinder für ein komplettes Team zusammenhatten, die eigene Leistung war nicht absehbar (teilw. sehr frustrierend), beim Weitsprung z.B. Sprung in „Zonen“ d.h. keine Weitenmessung, usw.

    Ich schreibe gerade meinen Frust von der Seele und höre hier lieber auf.

    Mit dem neuen System nimmt man dem Wettkampf(!!!) jeden Spaß

  2. Für Kinder, die noch nie mit Leichtatlethik zu tun hatten, mag das neue System ja tatsächlich ein Weg sein, um sie langsam auf die Wettbewerbe mit U14 dan heranzuführen.
    Für Kinder, die bereits an Wettkämpfen nach „altem System“ teilgenommen und sich daran gewöhnt haben, ist es eine Katastrophe !
    Statt wie gewohnt aus dem Startblock zu starten, liegt mein Sohn jetzt auf dem Bauch und wartet auf das Startkommando, statt beim Zonenweitsprung seinen Anlauf und Absprung zu verbessern hüpft er auf einem Bein durch ausgelegte Reifen und schaut mich nur fragend an was das denn soll.
    Er ist es gewohnt (auch) einzeln gewertet zu werden und Erfolge zu sehen bzw. die Leistungen von anderen anzuerkennen und auf eigene Verbesserungen hinzuarbeiten, jetzt fragt er mich warum er immer das Pech hat in der Verlierer-Mannschaft zu sein und keinerlei positive Rückmeldung mehr für seine ureigenste Leistung erhält…Und ich sag ihm dann „man möchte Dich nicht überfordern…deshalb gibt es nur Mannschaftswertungen, das ist doch auch gut…“
    „Tja, Papa, aber da verlieren wir dauernd, weil die anderen….“ – Schweigen, da fällt mir dann leider nichts mehr ein…
    Er versteht die Welt nicht mehr – und ich ehrlich gesagt auch nicht…
    Für ihn ist es ein völlig unverständlicher Rückschritt und ich vermag ihm keine Antwort darauf zu geben, warum er alles was er sich angeeignet hat, jetzt komplett wieder vergessen muss und von vorne anfangen soll, als hätte er gerade erst mit der Leichtathletik angefangen.
    Warum darf er nicht daran feilen, dass er besser wird ?
    Seine Schwester darf, aber die ist ja auch schon älter…verstehen tut er’s trotzdem nicht, denn er durfte ja schließlich auch schon mal…

    Ich kann ihm nur sagen, dass er jetzt noch 5 Jahre so durchhalten muss bevor er eine Chance bekommt wieder auf Basis seiner eigenen Leistungen beurteilt zu werden.
    Aber ihm raten, das jetzt noch 5 Jahre wirklich durchzustehen ? Ich weiß nicht ob ich das wirklich will…
    Ich fürchte, nach dieser Saison war’s das dann mit der Leichtathletik und dann nicht nur für die nächsten 5 Jahre, sondern endgültig !
    Für mich der vollkommen falsche Weg, tut mir leid.
    Aber vielleicht korrigiert ja in 2-3 Jahren jemand den Weg, wenn alle „Alteingesessenen“ weggelaufen sind.

    Neue Kinder spielerisch an Leichtathletik heranführen – gerne !
    Die schon etablierten vergraulen – ja das tut Ihr gerade… :-(
    Es ist nichts dagegen zu sagen mit neuen Wegen und spielerischen Angeboten von Zusatzwettkämpfen weitere Kinder für diesen Sport zu begeistern -> aber doch bitte nicht ausschließlich ! Lasst doch bitte denjenigen, die das bisherige System gewohnt sind auch eine Chance…

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *