Kinderleichtathletik im Landesverband Westfalen

Das Verhältnis der traditionellen zur „neuen“ Kinderleichtathletik sorgt weiterhin für Diskussionen in den Landesverbänden, auch wenn es diese laut DLV gar nicht mehr geben sollte.

So werden im Landesverband Westfalen 2014 in der U8 nur mehr die neuen Wettkämpfe angeboten. In der U10 wird es weiterhin den traditionellen Dreikampf und die zugehörigen Einzeldiszipkinen im Angebot neben der „neuen“ Kinderleichtathletik geben. In der U12 bleibt es bei den bisherigen Einzeldisziplinen, wobei durch die Hereinnahme des Hochsprungs der Dreikampf bekanntlich zu einem Vierkampf erweitert werden kann.
Nicht diskutiert wurde offenbar die Frage, ob der Hochsprung – wie anderswo – auf den Schersprung beschränkt werden solle oder der Flop wie bisher gesprungen werden kann. Neben den traditionellen Wettkämpfen können auch in Westfalen „neue“ Wettkämpfe im Sinne der Kinderleichtahletik angeboten werden.

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Die „neue“ Kinderleichtathletik mal anders betrachtet…

Das politische Problem ist, dass in Berlin das Leistungsprinzip denunziert wird. Leistung soll eigentlich gar keine Rolle mehr spielen. Es geht um Sozialintegration und um den Wohlfühlfaktor. Und das sehr viel mehr als um die Frage, ob jemand die pq-Formel beherrscht oder Latein kann. Es geht also um die Disqualifikation echter Lernziele zugunsten von sozialen Zielen.“

Prof. Dr. Norbert Bolz – Medienwissenschaftler

„Bei allen Reformen, die aktuell im Schulwesen unternommen werden, hat niemand eine Idee, wie er mit den besonders Leistungsbereiten umgehen soll“, kritisiert der Vorsitzende des deutschen Philologenverbandes Heinz-Peter Meidinger. In der Pisa-Studie 2010, die sich dem Schwerpunkt Lesen widmete, konnten alle Gruppen zulegen – nur nicht die besonders Guten.

Was wird da gesagt? Leistungsprinzip zählt nicht mehr? Wohlfühlfaktor ist wichtiger? Die Leistungsbereiten werden nicht gefördert?

Wer sich bewusst umschaut, kommt nicht umhin, genau diesen Eindruck zu gewinnen.

Und eigentlich ist es auch gar nicht mehr nötig besonders leistungsbereit zu sein. Warum denn auch, wenn Leistung nicht mehr anerkannt wird, wenn besonderer Fleiß oder Talent keinerlei Würdigung mehr finden. Warum lernen, wenn ich eh nicht mehr sitzenbleiben kann? Warum sich besonders anstrengen, wenn ich quasi per Gesetz und nicht per Leistung auf das Gymnasium gehen kann?

Aus dem Gedanken der Schaffung einer sozialen Gerechtigkeit ist das Szenario einer zunehmenden Gleichschaltung geworden. Einem englischen Rasen gleich, darf kein Kopf höher stehen als der Durchschnitt all der anderen Köpfe.

Die Folgen sind gerade in Zeiten von omnipräsenten Medien mehr als deutlich. Das Bildungsniveau unserer Kinder und Jugendlichen ist so schlecht geworden, dass Arbeitgeber keine Lehrplätze vergeben können, weil die Bewerber einfach zu schlecht sind. Selbst Professoren an deutschen Unis beklagen zunehmend die Abwesenheit von elementaren Fähigkeiten wie verstehendes Lesen oder Rechtschreibung.

Quelle: Personalmanagement-Studie

HR-Manager beklagen sinkende Bewerber-Qualität

Selbstbewusst, mit wenig Talent und geringen Qualifikationen sucht gut bezahlten Job. So oder ähnlich scheinen die Erfahrungen vieler Personalmanagement-Verantwortlicher bei ihrer Suche nach dem so dringend benötigten Personal. Nach Meinung jedes fünften HR-Managers hat sich die Qualität der Stellensuchenden in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar noch verschlechtert, so das Ergebnis einer aktuellen Human Resource (HR)-Studie

Quelle: boersenblatt.net

Worin sehen Sie die Gründe für den Rückgang der Ausbildungsverhältnisse im Sortiment? Zunächst einmal muss man die allgemeine demografische Entwicklung sehen: Auch außerhalb der Buchbranche suchen Betriebe inzwischen händeringend Auszubildende und rekrutieren sogar schon im Ausland. In vielen Gesprächen haben mir Buchhändler von ihren zunehmenden Schwierigkeiten berichtet, geeignete Bewerber für ihren Ausbildungsplatz zu finden. Es bewerben sich weniger Schüler, und die Qualität der schulischen Ausbildung entspricht oft nicht den Anforderungen der Buchhändler.

Neben der vermeintlichen sozialen Gerechtigkeit wird gerne auch der Leistungsdruck als wesentliche Motivation benannt, ein vorhandenes Leistungsniveau abzusenken. Es stellt sich jedoch die Frage, ob tatsächlich der Druck immer höher wird oder die Stressresistenz immer geringer. Hier bilde sich jeder selbst seine Meinung.

Wenn also erkennbar ist, dass der deutsche Weg der Gleichschaltung die Zukunftschancen unserer Kinder nachhaltig gefährdet, warum sollten wir dann in der Leichtathletik diesem Irrweg folgen?

Warum wollen wir Kindern die Möglichkeit nehmen an Prüfungssituationen wie sie bei Einzelstarts nun mal auftreten zu wachsen? Oder eben auch ihre momentanen Grenzen zu erkennen? Warum wollen wir unseren kleinen Sportlern Zentimeter und Sekunden nehmen, die ihnen unabhängig von Platzierungen zeigen, in welchem Maße sie sich verbessert haben? Ich habe vielmehr Kinder gesehen, die sich über eine neue persönliche Bestleistung gefreut haben, als welche, die trauerten über eine verpasste Platzierung!

Jahrelang hatten wir ein Schulsystem, welches dem unterschiedlichen Leistungsvermögen der Kinder Rechnung getragen hat…. Hauptschule, Realschule, Gymnasium.

Die zunehmende Abkehr davon führt zu einer Flucht hin zu privaten Bildungsträgern.

Quelle: Focus

In Nordrhein-Westfalen arbeitet die grüne Schulministerin Sylvia Löhrmann an der Abschaffung des Gymnasiums. Schlimm könnte es auch Sachsen mit seinen leistungsstarken Schülern treffen, wenn dort die SPD an die Macht käme. Ganz Sozialisten, träumen die Funktionäre von einer neuen Oberschule, auf der jedes Kind die mittlere Reife, am besten aber gleich das Abitur schaffen soll. Das wäre die ultimative Lösung aller Gerechtigkeitsfragen: das Abitur für alle.

Ich erkenne nicht, wie die „neue“ Kinderleichtathetik mehr Leistungssportler hervorbringen soll. Wenn ich Kinder quasi unter Vortäuschung falscher Tatsachen in die Leichtathletik hole, welche Reaktion erwarte ich dann, wenn diese ihr wahres Gesicht zeigt? Wenn ich wegen der Teamwettbewerbe zur Leichtathletik gehe und ich plötzlich mit 12 alleine am Start stehen – was geht da vor im Kopf des Athleten? Wenn ich Kaffee bestelle, aber dann Tee bekomme – wie reagiere ich?

Muss es nicht vielmehr unser Ziel sein, Kinder durch erfolgreiche Vorbilder zur Leichtathletik zu motivieren? Durch attraktiv gestaltete Wettkämpfe, die auch den begleitenden Eltern, Geschwistern, Großeltern, einen Tag mit Erinnerungswert bescheren?

Und muss es nicht auch unbedingt so sein, dass unser unendlich reicher Staat, erfolgreichen Sportlern, die für Deutschland starten und trainieren, auch die finanzielle Unterstützung und Anerkennung zukommen lässt, die sie verdienen?

Quelle: unbekannt

Norbert Warnatzsch, der frühere Trainer der vor gut einem Monat zurückgetretenen Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen, sieht in der Verbindung zwischen Leistungssport und Ausbildung ein echtes Problem. „Da verlieren wir viele, die sich dann doch für die berufliche Laufbahn entscheiden“, beklagte Warnatzsch. „Beides miteinander zu verknüpfen, gelingt den wenigsten.“ Hier müsse die Gesellschaft ansetzen und garantieren, dass junge Leute Leistungssport störungs- und verlustfrei ausüben können.

Hier schließt sich wieder der Kreis. Welche Motivation geben wir denen, die sich quälen und jeden Tag kämpfen für die Erreichung Ihrer Ziele? Wobei sich quälen nicht die Abwesenheit von Spaß bedeuten muss.

Die „neue“ Kinderleichtathletik kann ein Mittel sein  – keineswegs darf es das Alleinige sein. Wer sich abkehrt vom Leistungsprinzip auch in der Leichtathletik der Kinder und Jugendlichen, der wird ein böses Erwachen haben in wenigen Jahren. Denn anders als im Bildungssystem ist eine Umschulung in private Bildungseinrichtungen nicht nötig – man wechselt einfach Sportart und Verein.

 

Ausblick auf die neue „Kinderleichtathletik“ 2013

Nachdem die neue „Kinderleichtathletik“ letztes Jahr mit viel Werbung und Aufwand vom DLV durchgesetzt und zur alleinig zulässigen Veranstaltungsform für Kinder bis einschließlich der U12 ab 2014 erklärt worden ist, stellt sich die Frage, wie im „Übergangsjahr“ 2013 diese spielerische Veranstaltungsvariante in der Praxis ankommt.

Als Beispiel soll der BLV-Bezirk Oberbayern dienen, der mit der Landeshauptstadt München seit jeher der stärkste in Bayern ist. Die Ankündigung der Veranstaltungen ist meist schon bestätigt und durch Ausschreibungen manifestiert.

Ein Blick darauf zeigt schnell, dass sich gegenüber dem Vorjahr wenig geändert hat. Für die U10 und U12 wird weiterhin der traditionelle Dreikampf mit Einzelwertung angeboten, auch bei der Münchner Schülermeisterschaft. Die Veranstaltung nach der neuen „Kinderleichtathletik“ lassen sich an einer Hand abzählen und – was noch aussagekräftiger ist – neue Veranstaltungen sind kaum hinzugekommen.

Die wesentlichste Veränderung dürfte die Abschaffung der Einzelwertung – zugunsten einer Mannschaftswertung – im C-Cup (U12) sein, wobei die zunächst „angedrohte“ gänzliche Abschaffung schließlich doch nicht realisiert wurde. Ein Schelm, der denkt, dass die Punktzahlen für die Gesamtwertung doch weiterhin wie bei der bisherigen Einzelwertung ermittelt werden. Die besten Athleten werden dadurch genauso festgestellt, nur dass sie keine Pokale mehr für ihre Einzelleistung erhalten.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass die neue „Kinderleichtathletik“ trotz aller inszenierten Jubelveranstaltungen des DLV bisher nicht in der Praxis angekommen ist, und dies obwohl der BLV zu den Befürwortern bei der Abstimmung gehörte.

Man muss kein Prophet sein, um für 2014 nach dem Wegfall aller Übergangsregelungen weiterhin einen „passiven Widerstand“ bei den Veranstaltern vorauszusehen. Einige Funktionäre kündigen bereits „Umgehungsveranstaltungen“ an. Die Leidtragenden dürften letztlich aber doch die Kinder sein, da der spielerischen „Kinderleichtathletik“ wenig geneigte Veranstalter ihre Sportfeste ganz einfach ab der U14 beginnen lassen und die Jüngeren dann einfach weniger Wettkämpfe zur Auswahl haben.